2026 Kraichgauschule Mühlhausen 3. Preis

Verfahren
Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Planungspartner
Uta Gehrhardt Landschaftsarchitektur, Chemnitz
Gebäudetyp
Schule
Standort
Mühlhausen im Kraichgau
Auslober
Gemeinde Mühlhausen im Kraichgau
Programmfläche
1.958 m2

Städtebauliches Konzept
Das städtebauliche Konzept wird aus der übergeordneten Nutzungsverteilung abgeleitet. Die Sekundarstufe bleibt im bisherigen Gebäude erhalten, während für die Grundschule ein erweitertes Raumprogramm umgesetzt werden muss. Deshalb werden die Räume der Ganztagesbetreuung in der ehemaligen Grundschule untergebracht, für die Grundschule wird ein kompakter Neubau errichtet. Der Neubau wird als 4 – geschossiger Kubus im westlichen Grundstücksbereich angeordnet und fügt sich selbstverständlich in die bestehende, topografisch gestaffelte Schulanlage ein. Er komplettiert das bestehende Ensemble als neue Dominante und 3. Baustein, schafft einen neuen Bezugspunkt und erzeugt die räumliche Fassung der Freiflächen für den Schulhof. Durch seine 4 gestapelten Unterrichtsebenen bleibt der Baukörper kompakt und im Fußabdruck klein. Dadurch wird eine größtmögliche Fläche für den Schulhof freigehalten, außerdem werden gegenseitige Beeinträchtigungen durch Einblicke oder Verschattung vermieden.

Freiraumplanung
Die bestehende Schulanlage ist fast allseitig von dicht bewaldeten Flächen umgeben. Die unmittelbare Nähe zum Waldrand wird dabei nicht nur als landschaftlicher Hintergrund verstanden, sondern als identitätsstiftendes Element, das in den Freiräumen der Schule bewusst erlebbar gemacht wird. Der Schulhof für Gemeinschaftsschule und Grundschule befindet sich auf der oberen Ebene des Areals. Insbesondere hier prägt der Waldsaum als räumlicher und atmosphärischer Bildgeber die Gestaltung. Der vorhandene Baumbestand bleibt weitgehend erhalten und wird durch Gehölze der örtlichen Waldtypologie ergänzt. Die Spielbereiche ordnen sich diesem landschaftlichen Leitmotiv unter. Sie werden thematisch gegliedert in bewegungsintensive Zonen sowie Bereiche für freies und ruhigeres Spiel. Eine sanft modellierte Topografie unterstützt die räumliche Gliederung zwischen den Schuleinheiten, ohne diese strikt voneinander zu trennen. Eine schulübergreifende Nutzung der Flächen ermöglicht und fördert das gemeinschaftliche Miteinander. Im Sinne einer inklusiven Schulentwicklung werden sämtliche Wege- und Spielflächen weitgehend barrierefrei ausgebildet und schaffen einen selbstverständlichen, gemeinschaftlich nutzbaren Freiraum mit hoher Aufenthaltsqualität.

Äußere Erschließung
Von der Westseite her wird über die bestehende Umfahrt - ergänzend zur bestehenden Treppenanlage vom Parkplatz - eine neue barrierefreie Zugangssituation für das gesamte Schulanlage erzeugt. Vom Vorplatz aus werden über die schwellenlosen Eingänge die behindertengerechten Personenaufzüge der 3 Schulgebäude erreicht. Vor dem Eingang des Neubaus für die Grundschule entwickelt sich ein verbindender, großzügiger Vorplatz, der den Neubau selbstverständlich mit den vorhandenen Gebäuden verknüpft. Er schafft klare Orientierung und ermöglicht eine durchgängige Wegeverbindung durch den Eingangsbereich des Bestandsgebäudes bis hin zur Turnhalle. Der neu gestaltete Vorplatz wird damit zum freiräumlichen Auftakt für das gesamte Ensemble – ein gemeinsamer Ankunfts-, Begegnungs- und Verteilerraum für die Schulfamilie. Grundschule und Sekundarstufe haben auf der oberen Ebene auch Ein- und Ausgänge auf den Schulhof, hier erfolgt auch der Zugang von Süden (Lehrerparkplätze).

Nutzungsverteilung und Funktionalität
Die Nutzungsstruktur der Sekundarstufe bleibt weitgehend bestehen, hier werden nur minimale Eingriffe in bestehende Raumgefüge vorgenommen, um das Raumprogramm zu erfüllen. Die in der bisherigen Grundschule befindlichen Räume eignen sich in Zuschnitt, Lage und Außenbezug in besonderer Weise zur Unterbringung der Ganztagesbetreuung, somit kann für das erweiterte Raumprogramm der Grundschule ein Neubau errichtet werden. Hier nutzt jeweils eine Jahrgangsstufe eine eigene Ebene. Dadurch wird ein kompaktes Miteinander und eine altersgerechte Maßstäblichkeit für die Grundschülerinnen erzeugt. Das verbindende Sockelgeschoß nimmt im westlichen Bereich die Mensa auf, die, abgeschirmt von Zufahrt und Schulhof, einen schönen, Außenbereich erhält. In der räumlichen Folge werden mit Lehrküche, Bewegungsraum und Nebenräumen weitere übergeordnete Räume hier untergebracht, somit entsteht eine vom Regelunterricht unabhängige Raumzone mit Bezug auf den Vorplatz.

Innere Erschließung / Barrierefreiheit
Die neue Grundschule wird über die Haupttreppe und ein Fluchttreppenhaus mit Personenaufzug in allen Ebenen barierefrei erschlossen. Beide Schulbereiche sind zudem über den verbindenden Sockel innenräumlich miteinander verbunden. Dabei erzeugt der einzige bauliche Eingriff im Bereich der Sekundarstufe, an der nordwestlichen Gebäudeecke die Möglichkeit, eine Verbindungstreppe einzubauen und hier über einen Personenaufzug auch die barrierefreie Anbindung zu ermöglichen. Auch der Ganztagesbereich in der ehemaligen Grundschule kann über einen neu gesetzten Aufzug in allen Ebenen barrierefrei erschlossen werden.

Architektur und Gestaltung
Die Architektur des Neubaus wird von großer Klarheit und gestalterischer Ruhe geprägt, gleichzeitig formuliert sich der Neubau als Selbstbewusster Bestandteil und neuer Auftakt der Schulanlage. Die subtil abgesetzte Sockelzone repräsentiert Eingänge und Sondernutzungen, während die Obergeschosse durch ihre wohlproportionierten Fenster- und Fassadenflächen die regelmäßigen Unterrichtsbereiche zum Ausdruck bringen.

Baukonstruktion und Materialität
Die Materialanmutung und die zurückhaltende Farbigkeit unterstützen den unaufgeregten Charakter des Entwurfs. Sparsame Sichtbetonflächen, sichtbare Holzoberflächen an Unterdecken und bei den Fenstern sowie handwerkliche ausgeführte Putze erzeugen eine Atmosphäre beiläufige Gelassenheit, die dem Gesamtensemble guttut und der Ausgestaltung durch Schülerinnen und Lehrer ausreichend Raum lässt.

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit
Die Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien ist ein übergeordnetes Planungsziel, was aber in einigen Bereichen durch Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit eingeschränkt wird. Erfüllbare Kriterien wie baukörperliche Kompaktheit, einfache und geradlinige Baukonstruktion, materialgerechte Fügungen, Vermeidung von Verbundbaustoffen, Trennbarkeit von Materialien beim Rückbau und somit die Wiederverwendbarkeit werden uneingeschränkt berücksichtigt und konsequent umgesetzt. Der einzig höhere konstruktive Aufwand besteht durch den Einbau von Treppe und Aufzug in der Sekundarstufe, doch dabei wird der Mehraufwand lokal begrenzt und ist durch den Mehrwert einer innenräumlichen und barrierefreien Anbindung beider Schulgebäude mehr als gerechtfertigt.